Muff Potter - Gute Aussicht

Veröffentlichung:

17.04.2009 (Huck's Plattenkiste)

 

Referenzen: 

Jupiter Jones - Holiday in Catatonia

Herrenmagazin - Atzelgift

 

Sterne:

Das beste Album im Monat April? Fehlanzeige. Dafür bringt jetzt der Mai die erste Rezension einer deutschsprachigen Platte von einer meiner Lieblingsbands aus unseren Breitengraden: Muff Potter. Gute Aussicht war 2009 das letzte Album der Band, welche ich anschließend bei ihrem Abschiedskonzert in Berlin wiederholt live erleben durfte. Das ist inzwischen schon mehr als 8 Jahre her, wie die Zeit verfliegt...

Warum ich mich jetzt wieder mit der Discografie von Muff Potter beschäftigte, begründet sich durch die Tatsache, dass ich aktuell das letzte von Nagel veröffentlichte Buch Drive-By Shots lese. Interessante bis amüsante kurze Geschichten aus allen Teilen der Welt, die durch selbst geschossene Fotos untermalt werden. Nagel hat definitiv ein Talent für den Umgang mit Worten und das ist tatsächlich der wesentliche Grund, warum ich Muff Potter stets großartig fand/finde und weshalb ich sie bis heute in der deutschen Musiklandschaft vermisse. Natürlich gibt es bspw. die sehr, sehr guten Veröffentlichungen von Bands wie Herrenmagazin, Captain Planet oder Turbostaat. Doch während diese Bands entweder immer poppiger geworden sind (Herrenmagazin) oder in ihren Texten konstant kryptisch bleiben (Turbostaat) waren Muff Potter stets zugänglicher und mit einem größeren Identifikationsfaktor ausgestattet und hatten Songs, die trotzdem kratzen und beißen. 

Ich erinnere mich noch ganz genau, wo und wann ich Gute Aussicht zum ersten Mal angehört habe. Es war mit Kopfhörern aus meinem iPod in einem Hotelbett in Wien. Ich konnte nicht glauben, wie gut diese ersten drei Songs waren und wie sehr ich mich in ihnen wiedererkannte. Niemand will den Hund begraben und Blitzkredit Bop waren dann ebenfalls mehr als clevere Songs mit großartigen Wortspielen, die sich eigentlich durch die ganze Platte ziehen. In der Summe also ein sehr gutes letztes Album (auch wenn die 2. Hälfte nach meinem Geschmack musikalisch etwas abfällt) einer der wichtigsten deutschen Bands. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eines Tages ein neues Muff Potter Album in den Händen zu halten oder zumindest ein weiteres Mal 100 Kilo live zu erleben. Das wäre super. 

 

Höhepunkte: Ich und so; Rave is not Rave; Gute Aussicht

 

 

 

 

 


The Menzingers - After The Party

Veröffentlichung:

03.02.2017 (Epitaph Records)

 

Referenzen: 

The Gaslight Anthem - The '59 Sound

The Flatliners - Dead Language

 

Sterne:

Die Wahrheit ist, dass ich mich bisher nie so richtig für Autos und spezielle Modelle interessiert habe. Klar, ich fahre sehr gerne und habe Spaß daran mich und meine gute Laune an einem sonnigen Sonntag-Nachmittag über die Landstraßen zu transportieren. Aber ob das jetzt im älteren VW Golf oder bspw. in einem dicken Sportwagen passiert, geschenkt. Eine kleine Ausnahme gibt es dennoch, auch wenn es nicht unbedingt zu meinem sonst eher ökologischen Bewusstsein passt: American Muscle Cars! So ereignete es sich 2015, dass ich mir während des USA Aufenthalts einen Mietwagen aussuchen durfte und die Wahl auf einen Dodge Challenger fiel, mit dem ich vom südlichsten Punkt des Landes in Florida in wenigen Wochen bis hoch zur kanadischen Grenze tourte. Für solch lange Fahrten benötigt man in der Regel einen besonderes Soundtrack. The '59 Sound ist so ein perfektes Album, The Menzingers On The Impossible Past ist es ebenfalls. Doch während es um The Gaslight Anthem mittlerweile still geworden ist, kommen die The Menzingers aus Scranton, PA in 2017 mit einem Album heraus, dass aktuell seinesgleichen sucht. Veröffentlicht im Februar ist es für mich schon jetzt ein Wettbewerber für den Titel "Album des Jahres" und kratzt bei der internen Punktevergabe sehr heftig am 7. Stern, welchen ich hauptsächlich aufgrund der Langlebigkeit vergebe. Die Möglichkeit besteht, dass sich das Kernthema der Platte irgendwann abnutzt, nicht mehr diese Wirkung auf mich hat, aber ich zweifle sehr daran. Worum geht es also?

Junge Männer, die die aufregenden Zwanziger hinter sich gebracht haben und die berechtigte Frage stellen, wie es weitergeht im Leben, während sich die Prioritäten im Freundeskreis und im Umfeld verschieben bzw. sich schon längst verschoben haben. Der 1. Song Tellin' Lies eröffnet dieses Abenteuer furios mit Zeilen wie Where are we gonna go now that our twenties are over oder Buying marijuana makes you feel like a criminal. When your new friends take a joke too literal. Insgesamt fällt es unheimlich schwer, auf diesem Album einzelne Songs hervorzuheben. Jeder Durchlauf bringt ein neues Highlight hervor, wie bspw. das einsetzende Schlagzeug im zweiten Teil von The Bars oder aber der Refrain von Your Wild Years, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Wenn ich mich allerdings festlegen müsste, dann sind Lookers mit seinem On The Road-Feeling und After The Party mit einem der schönsten Texte, die ich in der letzten Zeit gehört habe, die stärksten Songs des Albums und auch insgesamt in der Geschichte der Band, die sich immer mehr zu einer meiner Top-5 Lieblingsbands mausert. 5 bisher veröffentlichte Alben stehen aktuell in der Discografie und nicht ein schlechtes ist darunter. Ich freue mich wie ein Schnitzel auf das Konzert Ende April in Berlin und ich freue mich noch mehr auf all die Stunden auf der Straße mit dem perfekten Soundtrack im Ohr. After the Party, it's me and you.

 

Höhepunkte: Lookers; Midwestern States; After The Party

 


Motion City Soundtrack - Go

Veröffentlichung:

12.06.2012 (Epitaph Records)

 

Referenzen: 

Blink-182 - California

New Found Glory - Coming Home

 

Sterne:

Bevor es in einem kommenden Text mit großer Wahrscheinlichkeit um das neue fantastische Menzingers Album gehen wird, folgt hier und jetzt erst einmal die Besprechung eines älteren Albums: Go von Motion City Soundtrack. Um ehrlich zu sein, wollte ich bereits vor Wochen ein älteres Motion City Soundtrack Album rezensieren, weil ich die Band und ihre Musik sehr gerne mag bzw. genauer gesagt mochte, da die Gitarre im letzten Jahr offiziell an den Nagel gehangen wurde. Das hat mich tatsächlich traurig gestimmt, weil ich irgendwie immer das Gefühl hatte, die Band sei sträflich unterbewertet. Exemplarisch dafür steht das einzige Konzert, welches ich in Berlin vor Jahren besuchen konnte, als sie die Band Ok Go im Vorprogramm mitbrachten, die zu diesem Zeitpunkt gerade mit ihrem zugegebenermaßen spektakulären Musikvideo zu Here it goes again viral durch die Decke gingen. Auf jeden Fall verhielt es sich bei besagtem Konzert so, dass der Club während der Vorband aus allen Nähten platzte und es bis zum Auftritt des Hauptacts wesentlich leerer wurde. Absolut unpassend.

Was macht MCS in meinen Augen und auch dieses Album also so besonders? Zunächst möchte ich behaupten, dass es kaum eine andere Band gibt, die ein ähnlich feines Gespür für Melodien mitbringt und dabei auch eher ernstere und düstere Themen in den Texten transportieren kann. Außerdem, und ich finde das ist der wirkliche USP, schreibt keine andere Band bessere Bridges. Somit verstecken sich in den eigentlichen Songs mindestens zwei weitere tolle Songs, die absolutes Hitpotenzial haben. Das begann bereits auf Album #1 bspw. bei The Future Freaks Me Out und setzt sich fort bis bspw. True Romance. Abgesehen davon finde ich Go vielleicht noch etwas abwechslungsreicher als andere MCS Alben und jeder Durchlauf verspricht ein neues Lieblingslied. Mir gefällt auch die leichte Melancholie, die über den poppigen Songs schwebt. Und auch wenn sich diesbezüglich die Meinungen spalten und andere Alben der großartigen Discografie höher eingestuft werden (wahrscheinlich auch zu Recht), so haben Motion City Soundtrack nach meinem Empfinden auf Go ihren kreativen Höhepunkt erreicht.

It doesn't mean goodbye. It's just a simple truth. Danke, es hat Spaß gemacht!

 

Höhepunkte: True Romance; The Worst Is Yet To Come; Happy Anniversary

 

 

 

  

 

 

 


Alkaline Trio - Good Mourning

Veröffentlichung:

13.05.2003 (Vagrant Records)

 

Referenzen: 

Hot Water Music - Caution

Bayside - Sirens and Condolences

 

Sterne:

Aufgepasst, denn eine Einleitung wie diese gab es sicherlich noch nicht so oft für eine Alkaline Trio Album-Kritik:

Gestern Abend verfolgte ich den deutschen Vorentscheid zum diesjährigen EuroVisionSongContest und im Laufe der recht langen Übertragung ging es irgendwann darum, dass die Kandidaten alle etwas kränklich seien und auch die Stimmbänder angeschlagen sind, was beim Singen zu einer leicht kratzigeren Stimme führte. Und als darüber gesprochen wurde, musste ich zwangsläufig an das hier vorgestellte Album des großartigen Alkaline Trios denken, wo Frontsänger Matt Skiba während der Aufnahmen mit ziemlichen Problemen bzgl. seiner Stimmbänder zu kämpfen hatte. Weil die Studiozeit allerdings recht knapp bemessen war, wurden die Songs eben mit dieser rauen, kratzigen Stimme aufgenommen und es hat der Qualität der Songs definitiv nicht geschadet. Ganz im Gegenteil! Denn während ich auf späteren Alk3-Veröffentlichungen (ca. ab Agony & Irony) die Songs vom 2. Sänger Dan Adriano mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar besser finde, sind einige der Songs von Matt Skiba auf Good Mourning definitiv in den Top 10 der besten Songs von eben jenem Matt Skiba. Vom Überhit This Could Be Love, dem absolut unterschätzten All On Black bis hin zur Akustik-Ballade Blue In The Face bekommt man hier alles geboten. Düstere, mal traurige und mal sarkastische Lyrics und zuckersüße Melodien.

Eines meiner Lieblings-Features auf der sonst eher weniger beachteten Website noisey des Vice Magazins und weil ich im Laufe der Kritik bereits über die Top-irgendwas gesprochen habe, ist die Rubrik Rank your Records. Dort hat u.a. Gründungsmitglied Dan Adriano sämtliche bisher veröffentlichte Alkaline Trio Alben bewertet und geordnet und Good Mourning auch zu seiner persönlichen Nr. 1 ernannt. Ich persönlich würde mich mit einer Anordnung der Alk3-Werke sehr schwer tun und würde einige Platzierungen wohl anders wählen. Fest steht allerdings, dass Good Mourning auch bei mir einen vorderen Platz belegen würde. Und fest steht außerdem, dass ich es - Blink 182 hin oder her - kaum erwarten kann, neue Musik vom Trio in den Händen zu halten. Let's say we've never had enough...

 

Höhepunkte: This Could Be Love; All On Black; Every Thug Needs A Lady

  

  

 

 

 

 


Joyce Manor - Cody

Veröffentlichung:

11.10.2016 (Epitaph Records)

 

Referenzen: 

The Hotelier - Goodness

Modern Baseball - Holy Ghost

 

Sterne:

Die letzten veröffentlichten Rezensionen auf der Seite deuten ein wenig auf ein Best of 2016 hin und vermutlich wäre es mal wieder Zeit für ein älteres Album bzw. einen echten Klassiker. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass Cody von Joyce Manor aus dem Jahr 2016 eben so ein Klassiker werden könnte.

Album #4 der Band aus Kalifornien ist mit einer Spieldauer von ca. 25 Minuten (übrigens die perfekte Länge für meinen Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit bzw. wieder nach Hause) auch das Längste bisher und hat zudem den ersten Akustik-und den ersten vierminütigen Song im Angebot, was man absolut als Weiterentwicklung bewerten kann.

Abgesehen davon gibt es natürlich weiterhin die knapp 1:30 Minuten langen Stücke, die trotzdem mehr zu bieten haben, als 90% aller 3:30 Minuten Pop-Songs. Pop ist übrigens ein gutes Stichwort, denn obwohl der Sound von Joyce Manor seit Album #1 stark vom Punk beeinflusst wird, gibt es schon mindestens ebenso lange das Gespür für feine Melodien, die manchmal an britische Größen wie The Cure oder The Smiths erinnern.

Verglichen mit den bisherigen Alben der Band ist Cody noch einmal ein Stück zugänglicher geworden und verschaffte der Band positive Kritiken auch weit außerhalb der Punk-Szene. Schuld daran sind eben solche Perlen, wie bspw. Angel In The Snow, die wahrscheinlich ganz gut den Konsens treffen, während This Songs Is A Mess... zum Abschluss noch einmal bellt und beißt. Es ist genau dieser schmale Grad, der die Band so besonders macht. All diese kleinen Alltagsgeschichten, verpackt in einen Mantel aus Punk, Emo und Indie-Rock. Hier ist wahrscheinlich für jeden etwas dabei und ich bin definitiv ein großer Fan.

 

Höhepunkte: Angel In The Snow; Make Me Dumb; This Song Is A Mess But So Am I

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Pkew Pkew Pkew - Pkew Pkew Pkew

Veröffentlichung:

10.06.2016 (Royal Mountain Records)

 

Referenzen: 

Beach Slang - The Things We Do...

Elway - Delusions

 

Sterne:

Dem vergangenen Jahr 2016 kann man viele Beleidigungen und Schimpfwörter an den Kopf knallen, weil es tatsächlich sehr bescheidene 366 Tage gewesen sind. Auf der anderen Seite steht jedoch, dass es ein großartiges Musik-Jahr war mit vielen grandiosen Veröffentlichungen.

Da kann es schnell passieren, dass die eine oder andere tolle Platte unter dem Radar fliegt und leicht übersehen wird. Ein Top-5 Kandidat für diese Kategorie ist das selbst betitelte Werk der kanadischen Punk-Rock-Band Pkew Pkew Pkew, die nicht nur ein Album voller Party-Punk-Hymnen sondern auch das coolste Musikvideo in 2016 veröffentlicht haben.

Natürlich ist das alles nicht bahnbrechend oder irgendwie fordernd, macht aber unglaublich viel Spaß. Die Texte sind einfach und eingängig, so dass sie auch nach ein paar Bier beherzt mitgesungen werden können und außerdem kommt der nötige Humor nie zu kurz. So gibt es etwa einen Song, der nur davon handelt eine Pizza zu bestellen oder aber einen anderen, der die tolle Zeit besingt, die man hat, wenn man sich bereits vor der Party zu Hause betrinkt. Und mal ehrlich, wer hat dazu nicht seine eigenen Erfahrungen gemacht? 

So klingen Pkew Pkew Pkew wie ein alter Freund, den man schon seit viel zu langer Zeit nicht mehr gesehen hat und mit dem man einen großartigen Abend verbringt. Gang Vocals, Melodien und Gitarren-Parts, die einem auch am nächsten Tag begleiten und im Kopf bleiben. Hier wird das Rad also nicht neu erfunden, aber es dreht sich und dreht sich und dreht sich und... ist dennoch ein eher kurzweiliger Spaß.

 

Höhepunkte: Mid-20's Skateboarder; Glory Days; Before We Go Out Drinking

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Vinnie Caruana - Survivor's Guilt

Veröffentlichung:

27.05.2016 (Equal Vision Records)

 

Referenzen: 

Dustin Kensrue - Carry The Fire

I Am The Avalanche - Wolverines

 

Sterne:

Und weiter geht's in der Reihe "Präsentation meiner Lieblingskünstler"! Vinnie Caruana, Frontsänger einer der einflussreichsten Bands von Long Island - The Movielife und dem nicht minder spannenden Folgeprojekt I Am The Avalanche veröffentlicht nach ca. 20 Jahren im Musikbusiness sein erstes Soloalbum.  Das ist wirklich eine verdammt lange Zeit und wirft die Frage auf: Wie fing alles an?

This Time Next Year war das Album, welches im Jahr 2000 die Band The Movielife auf die musikalische Landkarte bringt. Obwohl es ziemlich erfolgreich wird, weil es einfach großartige Platte für energiegeladene Hardcore-Kids ist, lassen sich die mehr als offensichtlichen Einflüsse (ähnlich wie auf den ersten Alben von Saves The Day) der Band Lifetime nicht leugnen. Mit dem Label-Wechsel zu Drive-Thru Records ging es anschließend mehr Richtung Pop-Punk, wo 2003 mit Forty Hour Train Back to Penn das bisher letzte Album der Band erschien.

Es folgte I Am The Avalanche und nach dem eher experimentellen Debüt pendelte sich die Band zusehends im melodischen Punk ein mit leichten Einflüssen von Hardcore (vor allem die Gang-Vocals!). Ein Stil, welcher zur Stimme des Frontsängers passt wie die Faust auf‘s Auge. Daneben gab es außerdem ein kurzes Intermezzo in der Hardcore-Band Peace’d Out mit Steve Choi von den RX Bandits, der auch auf Survivor’s Guilt Gitarre spielt.

Wie klingt jetzt also das Solo-Album von Vinnie Caruana? Muss man sich mit seinem musikalischen Werdegang auseinander-setzen, bevor man Survivor’s Guilt wertschätzen kann? Meine Meinung: Nein, muss man nicht. Zunächst sei noch gesagt, dass Survivor’s Guilt kein reines Solo-Album im klassischen Sinn geworden ist. Es gibt die einzelnen Songs mit Vinnie und einer Akustik-Gitarre, aber ähnlich wie auf dem letzten Dustin Kensrue Album gibt es zwischendurch auch immer wieder vollen Band-Sound zu hören. Somit erinnert mich Survivor’s Guilt sehr an das letzte I Am The Avalanche Album, als wären die Songs ruhigere B-Seiten von Wolverines, was sich negativer anhört, als es gemeint ist. Das mag zum einen daran liegen, dass jedes Album in der Diskografie von Vinnie Caruana eine Folge des vorherigen Albums darstellt und zum anderen, dass die Songs inzwischen einen unverwechselbaren Standard erreicht haben und eindeutig dem Künstler zuzuordnen sind. Welche Band kann das schon von sich behaupten?

Kommen wir endlich zu den Songs des Albums! Burn it Down eröffnet schwungvoll und We Don’t Have To Die Alone klingt dann so, wie man sich vielleicht Vinnie Caruana solo vorgestellt hat. Angel of the North ist eine Hymne, geschrieben für den FC Liverpool und Heavy Weighs the Summer klingt dann wieder wie Punk der Marke I Am The Avalanche. Absolutes Highlight des Albums ist für mich der Titeltrack mit seiner gradios melancholischen Melodie. Gem Street geht dann wieder positiver zu Werke, während sich generell lebhafte und ruhige Songs abwechseln und so für eine nette Balance sorgen. Einzig das abschließende Instrumental Your Religion is Killing Me fällt hier aus dem Rahmen und passt nicht so ganz zum Rest des Albums. Hier hätte ich mir einen gelungeneren Abschluss gewünscht für ein Album, dass überzeugt und gefällt. Könnte aber auch an der Tatsache liegen, dass ich ein großer Fan bin. Vielleicht.

 

Höhepunkte: We Don't Have To Die Alone; Survivor's Guilt; Gem Street

 


Pinegrove - Cardinal

Veröffentlichung:

01.07.2016 (Run For Cover Records)

 

Referenzen: 

The Promise Ring - Wood/Water

The Get Up Kids - On A Wire

 

Sterne:

Es kommt immer mal wieder vor, dass ich mir Alben von neuen Bands anhöre, die bereits beim ersten Hördurchgang einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In den meisten Fällen handelt es sich um tatsächlich recht unspektakuläre Musik. Vielmehr würde ich sie als sympathisch beschreiben, die irgendetwas in mir auslöst und einen Nerv oder eine aktuelle Stimmung trifft. Hin und wieder ist diese Stimmung auch von Nostalgie geprägt und so kam es, dass mich das zweite Album der Band Pinegrove mit ihrem Sound aus Indie und Emo gedanklich zurückgeworfen hat in die späten 90er, Anfang 2000er Jahre. Insgesamt recht schwer zu beschreiben.

Wie so oft ist es allerdings auch eine Band aus dem kleinen amerikanischen Bundesstaat New Jersey, der bereits so viele großartige junge Bands hervorgebracht hat, mal abgesehen von den wirklich großen Rockstars. Und mit New Jersey verbindet mich nicht nur die Tatsache, dass ich Verwandschaft dort habe und schon mehrmals zu Besuch war sondern auch das Lebensgefühl, welches ich sehr gut nachvollziehen kann: Behütet aufwachsen im Schatten der Großstadt. Weniger wichtig, weniger aufsehenerregend. Und daraus resultiert dann diese Musik, die eben diese Eigenschaft vereint und trotzdem (oder genau deshalb) ins Herz trifft.

Neben den genannten Referenzen kann man an der ein oder anderen Stelle auch ein wenig von Andy Hull (Manchester Orchestra) oder sogar leichte Country- und Folk-Einflüsse der letzten Brian Fallon Platte heraushören. Die Texte sind etwas zurückhaltend, trotzdem pointiert und hin und wieder humorvoll (I was totally nervous to go to Japan. I tried travel once, I lost my keys…). Insgesamt ist es ein buntes Album mit vielen Themen und vielen Erinnerungen. Und ich empfehle jedem, der das hier liest, diese schöne Musik nicht zu verpassen.

 

Höhepunkte: Old Friends; Visiting; Size of the Moon

 


Yellowcard - Yellowcard

Veröffentlichung:

30.09.2016 (Hopeless Records)

 

Referenzen: 

The Starting Line - Direction

The Ataris - So Long, Astoria

 

Sterne:

Die Musik, die man hört, richtet sich eigentlich immer nach den entsprechenden Jahreszeiten. Inzwischen sind wir bekanntermaßen in der kalten Jahreshälfte angekommen und haben uns von der Sonne und den warmen Temperaturen verabschiedet. Was heißt das jetzt übertragen auf die Musik und speziell auf das hier rezensierte Album? Yellowcard verabschieden sich, dieses Mal wahrscheinlich für immer. Schluss mit all den poppigen Melodien, großartigen Refrains und always summer in my heart. Yellowcard verabschieden sich mit einem selbstbetitelten Album und nehmen uns noch einmal mit auf ihre Reise durch den amerikanischen Alternative-Rock.

Für viele begann die Karriere der Band mit dem erfolgreichen Sommeralbum Ocean Avenue in 2003, obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits mind. ein tolles Vorgänger-Album und eine großartige EP gab. Der Nachfolger Lights & Sounds schlug dann bereits einen anderen, überaschenden Weg ein, zeigte jedoch, wie vielseitig die Band klingen kann. Wieder mehr in Richtung poppiger Punkrock ging es mit Paper Walls, wobei das anschließende When you’re through thinking, say yes die Band nach einer ersten Pause meiner Meinung nach auf ihrem Höhepunkt abbildete. Southern Air war dann ein gelungener Versuch den kommerziellen Erfolg von Ocean Avenue zu wiederholen, bevor Lift a sail den nächsten musikalischen Einschnitt darstellen sollte und die Fangemeinde spaltete. Yellowcard in 2016 versuchen jetzt auf ihrem letzten Album und in den letzten 10 Songs den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, die eigenen Wurzeln jedoch nicht zu verleugnen. Kann das gelingen?

An dieser Stelle möchte ich kurz erklären, was die Band in meinen Augen stets auszeichnete und warum ich die Musik so mag:

1. Im Gegensatz zu anderen Genre-Kollegen, waren Yellowcard immer bereit über den Tellerrand zu schauen und andere Songs zu schreiben. Lights & Sounds klingt bspw. auch 10 Jahre später noch frisch und abwechslungsreich. Zwar erfüllten sie damit nie die künstlerischen Ansprüche vieler Kritiker, waren jedoch immer authentisch. Das bringt mich zu… 

2. Neben dem Gespür für großartige Melodien, die sich schnell im Kopf festsetzen, waren es irgendwie immer auch die Texte von Ryan Key, die die Band von anderen abhob. Stets etwas persönlicher, weniger kryptisch, ließen sie einen am anderen Leben teilhaben und entwickelten sich zu einem guten Freund.

Zurück also zur aktuellen Platte und der gestellten Frage: Yellowcard LP hat seine tollen Momente, ist abwechslungsreich, melodisch und emotional. Trotzdem ist sie nicht ganz so mitreissend geworden, wie frühere Werke. Vielleicht liegt es an der dominierenden Melancholie und dem beherrschenden Thema „Abschied“. Bezeichnend, dass einer der sommerlichsten Songs den Titel Rest in Peace trägt. The Hurt is Gone begeistert mit einer großartigen Gesangsmelodie, wenn der Refrain einsätzt, fehlt jedoch der entscheidende überspringende Funke. Savior’s Robes ist dann eine kleine Abrechnung mit den Fans, wie man sie bereits in ähnlicher Form von Somebody’s gonna miss us von The Starting Line kennt, bzgl. der Tatsache, dass Bands stets an ihren alten Hits gemessen werden und man ihnen selten eine Weiterentwicklung zugesteht.

Fields & Fences ist dann zum Abschluss noch einmal ganz großes Kino und verabschiedet die Band mit Gänsehaut. Ich weiß jetzt schon, dass ich Yellowcard vermissen werden und ich hätte sie gern noch einmal live erlebt. Es waren tolle Jahre und ein großartiger Soundtrack zum Erwachsenwerden! Der nächste Sommer kommt bestimmt…

 

Höhepunkte: Rest in Peace; The Hurt is Gone; Fields & Fences

 


Bear's Den - Islands

Veröffentlichung:

17.10.2014 (Communion Records)

 

Referenzen: 

Mumford & Sons - Babel

Sufjan Stevens - Michigan

 

Sterne:

Inzwischen ist er also angekommen, der Herbst. Eher grau und nass, anstatt golden. Trotzdem schön. Und mit dem herbstlichen Wetter, kommt auch wieder verstärkt die Vorliebe für folkige, zumeist auf der Akustik-Gitarre vorgetragene Musik zum Vorschein. So geschah es, dass ich vor zwei Jahren aufgrund der aufgeführten Referenzen und der ausschließlich positiven Kritiken für das Debütalbum der britischen Band Bear’s Den auf eben dieses Album aufmerksam wurde. Und so abgedroschen das vielleicht klingt, aber es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Ich hatte den Herbst bereits angesprochen und irgendwie habe ich schon immer eine ganz besondere Beziehung zu dieser unterschätzten Jahreszeit. Es ist schwer zu erklären, aber in diesen Monaten werden dann Stimmungen hervorgezaubert und Hoffnungen in mir geweckt, die keine andere Zeit des Jahres zu erschaffen vermag. Was gibt es Schöneres als einen Spaziergang durch die Natur bei noch wärmenden Sonnenstrahlen? Was gibt es Schöneres als einen grauen Nachmittag, den man mit Tee und Decke auf der Couch verbringt? Islands liefert all die großen und kleinen Hymnen zu genau diesen Momenten. Von den ruhigen und bedachten Abschnitten bis hin zu den ausufernden Refrains. Von spärlichen Banjo-Klängen untermalt bis hin zu den euphorischen Blasinstrumenten.

Dabei geht es auf Islands textlich eher düster und melancholisch zu mit vergleichsweise wenigen positiven Abschnitten. Jedoch spürt man im Hintergrund immer die vereinzelten Sonnenstrahlen, die versuchen sich durch die dicken grauen Wolken aus Gedanken und Trübsinn zu kämpfen, um dann wie im großartigen Elysium zum Vorschein zu kommen. Agape ist ebenso ein toller Song, der sich zwischen Hoffnung und Furcht bewegt und bereits nach dem ersten Hören im Kopf hängen bleibt. Nach eigenem Empfinden könnte so ziemlich jedes der 10 Stücke als Highlight genannt werden und das gilt auch wieder für diesen Herbst, zwei Jahre nach dem offiziellen Erscheinen. Und für den nächsten. Und für den nächsten. Und…

 

Höhepunkte: Agape; Above the clouds of Pompeii; Elysium

 


Bruce Springsteen - Wrecking Ball

Veröffentlichung:

02.03.2012 (Columbia/Sony)

 

Referenzen: 

The Hold Steady - Boys and Girls in America

The Killers - Sam's Town

 

Sterne:

Mal wieder eine Rezension aus gegebenem Anlass: Vor etwas mehr als einer Woche erschien die erste von Bruce Springsteen persönlich geschriebene Autobiografie über das Leben und Wirken des Ausnahmekünstlers aus Freehold, New Jersey. Kurioserweise hatte ich vor ein paar Monaten bereits begonnen, die 2014 erschienene Biografie mit dem schlichten Titel Bruce zu lesen, die bereits eine Weile zwischen anderen Büchern im Regal stand und welche ich letztlich in der letzten Woche ausgelesen hatte. Grund genug also, hier und jetzt das letzte reguläre Springsteen Album zu besprechen: Wrecking Ball aus dem Jahre 2012.

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Albums kam ich damals auch zu der Gelegenheit den Boss live spielen zu sehen und wow, ich hatte ja keine Ahnung von den Ausmaßen einer Bruce Springsteen Show, die regelmäßig 3-4 Stunden dauern. Aber mal ehrlich, hat der Kerl eine andere Wahl, bei diesem Repertoire an großartigen Songs?

Zwischendurch schafften es auch erstaunlich viele Stücke aus dem damals neuen Album auf die Setlist, die sich zwischen all den anderen Titel sehr gut einfügten. Die Erklärung dafür könnte darin begründet liegen, dass ein Bruce Springsteen Set - wie ich in der Biografie gelesen habe - meistens so funktioniert, dass die Songs, die gespielt werden sollen, nach bestimmten Kriterien ausgewählt und zu einzelnen Gruppen zusammengestellt werden, die aneinandergereiht einen stimmungsvollen und stimmigen Eindruck vermitteln.

Daraus resultiert die Tatsache, dass Wrecking Ball ein sehr buntes und abwechslungsreiches Album geworden ist. Neben den Singer-Songwriter Ausflügen und klassischen, hemdsärmeligen Rock Nummern (We take care of our own), gibt es auch Einflüsse aus R’n’B und Gospel (Rocky Ground) und reichlich irischen Folk (Death to my hometown). Leider ist es für meinen Geschmack und im Vergleich zu anderen Springsteen-Alben etwas zu vielfältig und lässt den roten Faden ein wenig vermissen.

Der Höhepunkt des Albums ist zweifelsohne der Titeltrack, der langsam beginnt und sich zu einer ausufernden, großen Party entwickelt. Es gibt also die tollen Momente und dass der Boss trotz der mehr als beeindruckenden Discografie noch immer in der Lage ist, großartige Musik zu schreiben, bezweifelt hoffentlich ohnehin niemand.

 

Höhepunkte: We take care of our own; Death to my hometown; Wrecking Ball

 


PUP - The Dream is Over

Veröffentlichung:

27.05.2016 (Royal Mountain Records)

 

Referenzen: 

The Dirty Nil - Higher Power

The Front Bottoms - Talon of the Hawk

 

Sterne:

Über die Hintergründe von PUP’s zweitem Album The Dream is Over wurde man inzwischen in vielen Zeitschriften und Artikeln ausreichend informiert: Die Band veröffentlicht ein furioses Debüt-Album, tourt ausgiebig und spielt sich nicht nur die Finger wund, sondern strapaziert auch die Stimmbänder von Sänger Stefan Babcock bis aufs Äußerste. Das anschließende Fazit des behandelnden Arztes: Der Traum einer langen Karriere im Rock Business ist ausgeträumt…

So kann man sich täuschen, denn 2016 erscheint das neue Album und die Band tourt wieder ausgiebig durch die kleinen dreckigen Clubs dieser Welt und macht dabei ordentlich Eindruck, wie z.B. am 14.9. im Vorprogramm von Moose Blood, als sie dem Hauptact komplett die Show gestohlen haben. Laut, schnell und absolut unterhaltsam. Punkrock mit Einflüssen aus Pop und Indie-Rock, auf dem Album verteilt auf 10 Songs und ca. 30 Minuten. Dazu gibt es Texte, die sich selbst nicht zu ernst nehmen, von persönlichen Erlebnissen erzählen und gar nicht den Anspruch haben außerordentlich poetisch daher zu kommen. Exemplarisch dafür der Einstieg in die Platte mit If this tour doesn’t kill you, I will, welcher über die Spannungen berichtet, die sich entwickeln, wenn man über 250 Konzerte im Jahr spielt und ständig von den gleichen Leuten umgeben ist.

Stilistisch klingt das Ganze dann wie beschrieben wie ein wütender Wirbelsturm, dem trotzdem die Sonne aus dem Po scheint (Song #2 DVP ist hierfür das beste Beispiel). Gemessen am Debüt gibt es aus meiner Sicht jedoch ein paar Abzüge, da das Gaspedal nicht mehr durchgänging bis zum Boden gedrückt wird und ein Übersong der Marke Reservoir leider fehlt. Trotzdem macht The Dream is Over sehr viel Spaß und live klingt das Ganze dann auch nochmal ein gutes Stück rauer.

 

Höhepunkte: If this tour doesn't kill you, I will; DVP; My life is over and I couldn't be happier

 


Taking Back Sunday - Tidal Wave

Veröffentlichung:

16.09.2016 (Hopeless Records)

 

Referenzen: 

The Menzingers - On the Impossible Past

Dashboard Confessional - Alter the Ending

 

Sterne:

13 Jahre sind inzwischen vergangen seit der Veröffentlichung des furiosen und Maßstäbe setzenden Debüt-Albums Tell All Your Friends. Tidal Wave ist inzwischen Album Nr. 7 und trotzdem gibt es noch immer Kritiken und Kritiker, die scheinbar in der Vergangenheit gefangen sind. Natürlich war das damals eine grandiose Platte mit Songs und Texten, die mich wirklich geprägt haben, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich mir das Album in den letzten Jahren nicht mehr so oft angehört.

Stattdessen konnte ich tatsächlich jeder Taking Back Sunday Veröffentlichung (unabhängig von der Besetzung) etwas Positives abgewinnen und irgendwie gab es immer wieder Titel, die mich in der entsprechenden Lebenssituation ganz besonders angesprochen haben. Deshalb fällt es mir auch nicht sehr schwer, zu behaupten, dass ich gemeinsam mit der Band erwachsen geworden (und dementsprechend in meinem Urteil auch ein wenig befangen) bin.

Wenn man das Wirken der Band gern in Abschnitte einteilen möchte, dann ist Tidal Wave jetzt also das dritte Album nach der Rückkehr zur Besetzung des angesprochenen Debüts. Witzigerweise verdeutlichen aber die neuen Stücke, dass es eben nicht so viel Sinn macht, die einzelnen Phasen zu unterscheiden, da die meisten Titel auch auf irgendeinem früheren Album hätten auftauchen können und sich somit nur schwer zuordnen lassen. So vielfältig klang die Band bisher noch nie. Call come running könnte ich mir z.B. gut auf Louder Now vorstellen, All excess auf New Again, während You can’t look back auch zur Where you want to be passen könnte.

Natürlich klingt das inzwischen sowohl textlich als auch musikalisch nicht mehr ganz so wild und wesentlich erwachsener, aber gerade diese Weiterentwicklung sollte man einer Band definitiv zugestehen. Somit ist auf Tidal Wave auch Platz für neue Einflüsse, wie bspw. der stark an die Ramones erinnernde Titeltrack und ruhigere Nummern mit Folk-Einflüssen (Homecoming).

Zusammenfassend handelt es sich hier also nicht unbedingt um die beste Veröffentlichung der Band, aber definitiv um ein tolles Album, dass man sich idealerweise ohne Vorbehalte anhören sollte. Denn gibt man den Songs eine faire Chance, bekommt man sie so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Einziger wesentlicher Kritikpunkt meinerseits ist allerdings, dass das Album ein paar Monate zu spät erscheint. Es wäre ein toller Sommer-Soundtrack gewesen.

PS: Die genannten Referenzen erscheinen recht gegensätzlich, jedoch fühlt sich Tidal Wave wie ein guter Mix aus beiden Alben an. Punk trifft Pop, trifft Alternative Rock, trifft Folk straight as an arrow.

 

Höhepunkte: You can’t look back; All excess; Homecoming

 


American Football - American Football

Veröffentlichung:

28.09.1999 (Polyvinyl)

 

Referenzen: 

Sunny Day Real Estate - Diary

Joie De Vivre - Summer Months

 

Sterne:

Erst die zweite verfasste Kritik auf dieser Seite und bereits ein Album mit maximaler Bewertung? Darüberhinaus Musik, die viel besser zu den grauen Herbsttagen passen würde als zum Comeback des Sommers Ende August? Durchaus berechtigte Fragen, aber aus aktuellem Anlass führt kein Weg am selbst betitelten Debüt-Album aus 1999 vorbei. Im Oktober wird nämlich nach über 17 Jahren und nach zwischenzeitlicher Trennung endlich der ebenfalls selbst betitelte Nachfolger erscheinen. Grund genug sich mit diesem Meilenstein der Musikgeschichte zu beschäftigen, wobei es vor allem schwierig ist Referenzen zu benennen, da das Album selbst wesentlicher Einfluss für sehr viele darauffolgende Bands sein sollte.

Auffällig ist bereits ein Blick auf die Besetzung der Band: 3 Mitglieder, die die Instrumente Gitarre, Schlagzeug, Bass, Trompete und Elektrisches Piano unter sich aufteilen. Dazu der Gesang von Mike Kinsella, der sich stets etwas im Hintergrund aufhält und die Musik untermalt, anstatt sie zu dominieren. Jener Mike Kinsella, der zuvor in eher lauteren, aufregenderen Bands wie bspw. Cap’n Jazz oder Owls in Erscheinung getreten ist.

Das Album beginnt mit der einzigen veröffentlichten Single Never Meant und liefert bereits zum Einstieg ein echtes Highlight, dass von diversen Zeitschriften unter die besten Songs der „Golden Era of Emo“ gewählt wurde. Spannend an dem Album ist jedoch vor allem, dass es sich hier tatsächlich um ein Album handelt, dass es einem schwer macht einzelne Songs hervorzuheben. Vielmehr gehen die Stücke ineinander über und hinterlassen einen beeindruckenden Gesamteindruck, dem man am ehesten gerecht wird, wenn man das Album in entspannter Umgebung und mit Kopfhörern auf den Ohren lauscht.

Die Stimmung wird dann schnell verträumt und leicht melancholisch, teilweise auch nostalgisch. Zeilen wie „Honestly I can't remember all my teenage feelings and their meanings“ klingen auch heute noch relevant und im Vergleich zu vielen ehemaligen Weggefährten merkt man American Football die vergangene Zeit kein bisschen an. Das Album klingt noch immer einzigartig und frisch, vielleicht weil es damals bereits seiner Zeit voraus war.

Um auf die Einleitung zurückzugreifen und um mich teilweise zu korrigieren: Ich habe große Erwartungen an den kommenden Nachfolger und hoffe erneut auf ein perfektes Album für laue Sommernächte, graue Regentage und viele verträumte Augenblicke.

American Football aus dem Jahr 1999 und 2014 wiederveröffentlicht - eines meiner absoluten Lieblingsalben.

 

Höhepunkte: Never Meant; Honestly; Stay Home

 


Blink-182 - California

Veröffentlichung:

01.07.2016 (BMG)

 

Referenzen: 

(+44) - When Your Heart Stops Beating

Alkaline Trio - My Shame Is True

 

Sterne:

Wie oft muss man sich ein Album anhören, um in der Lage zu sein, eine ernstzunehmende (wenn auch eher subjektive) Kritik darüber zu schreiben? Das neue Blink-182 Album habe ich in den letzten Wochen auf jeden Fall sehr oft gehört. Zugegeben, jetzt wo die Tage wieder etwas grauer und kürzer werden, nicht mehr so häufig, doch nach der Veröffentlichung im sonnigen Juli lief die Platte im Auto oder auf dem Smartphone hoch und runter. Und warum? Blink-182 haben endlich wieder ein richtiges Sommer-Album veröffentlicht!

Viel wurde im Vorfeld und in anderen Kritiken über die Band und über die Entstehungsgeschichte dieser Platte geschrieben und teilweise debattiert. Gründungsmitglied und Gitarrist Tom DeLonge raus, Alkaline Trio Frontmann Matt Skiba rein. Für mich persönlich klang das alles sehr vielversprechend, denn ich bin großer Alkaline Trio Fan und um ehrlich zu sein, waren für mich stets die Mark Hoppus Songs die versteckten Highlights eines Blink-182 Albums (A New Hope; Going Away to College; Roller Coaster; Here's Your Letter).

Wie klingen Blink-182 also in 2016 in neuer Besetzung und 5 Jahre nach dem zwischenzeitlichen Comeback Neighborhoods? Die kurze Antwort könnte lauten: Frisch und doch sehr vertraut. Obwohl das unbetitelte Album von 2003 sowohl bei Fans und auch bei Kritikern sehr beliebt ist und man es auch heute noch sehr gut hören kann, war das damals definitiv ein großer Sprung zwischen eben jener Untitled und dem Vorgänger Take Off Your Pants and Jacket. California ist jetzt das fehlende Bindeglied zwischen beiden Alben und vereint die sonnigen Melodien und Gute-Laune-Songs mit den erwachseneren Texten der späteren Platten, die sich trotzdem nicht zu ernst nehmen. Mit Cynical gelingt der knackige Einstieg, Bored To Death wusste bereits als Vorab-Single zu überzeugen und She’s Out of Her Mind ist so eingängig, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit die nächste Single wird. Es gibt die schnellen Punk Rock Songs, die poppigeren Titel und sogar ein bis zwei Balladen.

Kritik gab es im Wesentlichen für die Länge des Albums. So befinden sich auf California zwar ganze 16 Titel, mit einer Gesamtdauer von knapp 42 Minuten ist das für ein Album aber definitiv im Rahmen. Und nach so langer Wartezeit freue ich mich generell über jeden neuen Blink-182 Song. Hervorheben möchte ich vor allem das versteckte Highlight dieser Platte Left Alone sowie den Titel, der durch den starken Refrain von Skiba am ehesten an Alkaline Trio erinnert: San Diego. Ein großartiges Stück über die verlassene Heimatstadt und den melancholischen Blick zurück, der so richtig geklickt hat, als ich eines Abends spät und leicht angetrunken nach einem Treffen mit Freunden mit der Bahn nach Hause fuhr.

Insgesamt macht California also sehr viel Spaß und vermittelt das Gefühl, als würde man in einer warmen Sommernacht mit dem Skateboard durch die Berliner Innenstadt rollen.

 

Höhepunkte: She’s Out of Her Mind; Left Alone; San Diego